“Strychnin-Fall” in Perg

Finale im “Rattengift-Prozess” – Kritik des Verteidigers zur√ľckgewiesen

LINZ (SN-pef). Der “Rattengift-Prozess” vor einem Linzer Jugend-Geschworenengericht ging am Donnerstag in die Endrunde. Heute, Freitag, werden gegen Abend die Urteile gegen einen 23-J√§hrigen und zwei 16-J√§hrige erwartet. Ihnen wird in der Anklage Doppelmord vorgeworfen: sie h√§tten im Juli 2001 in einem Park in Perg (O√Ė) ihren jugendlichen Opfern Sandra und Dominik eine t√∂dliche Dosis Strychnin als “Speed” verabreicht. Die Geschworenen m√ľssen vor ihrer Entscheidung eine Vielzahl von Fragen hinsichtlich der rechtlichen Beurteilung der Tat beantworten.

Am Donnerstag wurden vor den Pl√§doyers von Staatsanw√§ltin und Verteidigern noch einige Sachverst√§ndige erg√§nzend befragt. Der Toxikologe Thomas Keller sagte nochmals √ľber die im K√∂rper der Opfer gefundene, absolut t√∂dliche Menge des Rattengifts aus und auch, welch qualvollen Tod die beiden Jugendlichen gestorben seien. Zuvor waren die psychiatrischen Sachverst√§ndigen am Wort. Den 23-J√§hrigen, der den Gift-Mix zubereitet haben soll, bezeichnete Kurt Sindermann als nicht sehr klugen, einfach strukturierten Mann, der durch bestimmtes Rollenverhalten – dem Dealen mit Drogen – soziale Aufmerksamkeit erregt habe. “Sein Denken wird mehr davon bestimmt, sich selbst vor Strafverfolgung zu sch√ľtzen als seinen Opfern zu helfen”, so der Gutachter.

Einer der beiden 16-J√§hrigen, der von der Ankl√§gerin beschuldigt wird, den im Sterben liegenden Dominik gemeinsam mit dem 23-J√§hrigen zur Naarn geschleppt und ihn dort ertr√§nkt zu haben, wurde von Psychiater Max Friedrich als hochbegabt und √ľberdurchschnittlich intelligent eingestuft. Auf der Suche nach einer Vaterfigur habe er sich dem √Ąlteren angeschlossen. Bei keinem der Angeklagten liege eine verz√∂gerte Reife vor.

Verteidiger Kurt Lichtl √ľbte Kritik am Verfahren. “Man hat den Eindruck, das Gericht will die Anklage zementieren, ich vermisse die objektive Abw√§gung aller F√ľr und Wider.” Diese Behauptung wurde vom Sprecher des Landesgerichtes Linz, Richter Karl Makovsky, scharf zur√ľckgewiesen. Das Beweisverfahren sei mit gr√∂√üter Sorgfalt durchgef√ľhrt worden; es seien sieben Gutachter aus den verschiedendsten Fachbereichen geh√∂rt worden. Die Angeklagten weisen die Mordanklage zur√ľck und sprechen von einem “Drogenunfall”, einer fahrl√§ssigen K√∂rperverletzung mit Todesfolge.

SN 28.6.2002

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Strychnin-Prozess: “Wir h√§tten doch nie gerechnet, dass das eine √úberdosis ist”

LINZ. An der “Geldgier, Herzlosigkeit, Feigheit” der Angeklagten seien Dominic (16) und seine 13-j√§hrige Begleiterin gestorben, so Staatsanw√§ltin Brigitte Loderbauer im Prozess gegen die drei Burschen, die beim Strychnin-Todeskampf der beiden dabei waren.

“Das ist kein Unfall, das ist Mord,” beurteilt die Ankl√§gerin den Umstand, dass Harald H. (23), der nach einer Tabletten√ľberdosis in der Vorwoche nun doch verhandlungsf√§hig ist, und die Jugendlichen A. und F. (16) an dem P√§rchen die Wirkung des Strychnins ausprobierten: “Sie wollten es einfach wissen. Sie haben sich hingesetzt und zugeschaut.”

Strychnin, der Wirkstoff der “Brechnuss”, wurde fr√ľher als Rattengift verwendet. Aber Gift ist immer eine Frage der Dosis: Es kommt in Medikamenten vor und wird wie Milchpulver zum Strecken von Drogen verwendet. In h√∂heren Konzentrationen f√ľhrt es zu schmerzhaften Starrkr√§mpfen und Atemnot, im schlimmsten Fall zum Tod durch Ersch√∂pfung oder Ersticken.

“Wir h√§tten nie damit gerechnet, dass das eine √úberdosis ist,” meint Harald H. √ľber die zwei “Stra√üen”, die er dem P√§rchen in jener Julinacht im Park in Perg zum Sniefen aufgelegt hat. Den Jugendlichen hatte er erz√§hlt, es handle sich um zersto√üenes Ecstasy, eine Gratisprobe.

“Das ist gerade das Problem,” sagt Harald H., “wir haben uns nicht informiert.” Erst nach dem Tod der beiden h√§tte er mit den Freunden in einem Lexikon und einem Fachbuch √ľber halluzinogene Pflanzen gelesen, dass Strychnin “extrem giftig” sei. “Das ist die Wahrheit,” bekr√§ftigt er immer, wenn er Nachdruck f√ľr n√∂tig h√§lt. Und diesmal scheint es geboten, denn das sagt er jetzt beim Prozess zum ersten Mal. Die erste Version aller drei Angeklagten hatte gelautet, man h√§tte gleich in den B√ľchern nachgeschlagen, nachdem man die halbvolle Dose Strychnin in einem Bauernhof entdeckt hatte. Vorsitzender Walter Eichinger will den Widerspruch aufgekl√§rt haben. Die beiden h√§tten sich gegen ihn verabredet, um ihn hineinzutunken, glaubt Harald, und warum er das zuerst selbst gesagt hat, wei√ü er auch nicht mehr so genau. Er sei halt unter Druck gewesen. Jedenfalls hat er alles, was irgendwie nach Gest√§ndnis ausgesehen hatte, inzwischen widerrufen, auch in dem Abschiedsbrief, den er der Nachwelt hinterlassen hatte. Aber nun ist er ja gerettet und kann der Nachwelt selbst erkl√§ren, wie alles passiert ist.

F√ľr die Verteidiger Albin Walchshofer, Kurt Lichtl und Gottfried Lindner ist der Zeitpunkt, wann sich die Angeklagten das B√ľcherwissen √ľber die Giftigkeit von Strychnin angeeignet hatten, nicht so entscheidend: Schlie√ülich sei “jedes Suchtgift Gift”, und in Drogenkreisen w√ľrde sowieso mit allen m√∂glichen Substanzen experimentiert und gehandelt. Man k√∂nnte auch an Heroin, Kokain oder Wodka sterben, da w√ľrde sicher keine Mordanklage erhoben. F√ľr einen Mord fehle es am Vorsatz und am Motiv -√äman war doch befreundet, kannte einander aus der Perger Skaterszene. Alles h√§tte als “Gaudi” angefangen, die sp√§ter in Angst umgeschlagen sei, als die 13-J√§hrige leblos umfiel und es Dominic ebenfalls schlecht ging. Aber selbst Sachverst√§ndige seien sich nicht einig, in welcher Menge Strychnin t√∂dlich wirke, so die Anw√§lte. Es sei ein “schrecklicher Drogenunfall”, man habe sich in der Dosis versch√§tzt. Aber es seien h√∂chstens moralische Ma√üst√§be anzulegen, strafrechtlich k√∂nnte man nur von Fahrl√§ssigkeit ausgehen.

Der Prozess wird heute mit den Einvernahmen der beiden Jugendlichen fortgesetzt.

VON MARTHA HAKAMI
O√ĖN Hauptausgabe vom 11.06.2002 – Seite 017

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Prozess um Perger Strychnin-Opfer: Gericht zieht acht Gutachter zu Rate

LINZ/PERG. Mehr Gutachter als Zeugen sind vorerst f√ľr den Prozess gegen drei junge M√§nner geladen, denen der Tod des 16-j√§hrigen Dominic und der 13-j√§hrigen Sandra aus Perg als Doppelmord angelastet wird.

Das Verfahren beginnt am 4. Juni, Vorsitzender Walter Eichinger hat mit Unterbrechungen Verhandlungstage bis Ende Juni vorgesehen. Die Anklage vertritt Staatsanwältin Brigitte Loderbauer.

Es wird vor allem ein Prozess der Gutachter werden, acht sind bereits geladen: Drei Gerichtsmediziner, zwei Psychiater, ein Biologe, ein Pharmakologe und ein Kriminaltechniker.

Der Fall hatte zuerst wochenlang R√§tsel aufgegeben: Am 13. Juli des Vorjahres war zuerst in der Naarn die Leiche des 16-j√§hrigen Dominic gefunden worden, drei Tage sp√§ter unter einem Br√ľckenpfeiler das tote M√§dchen. Erst zwei Wochen sp√§ter stand nach langwierigen chemischen Analysen fest, dass beide mit Strychnin vergiftet waren. Todesursache bei Dominic war aber Ertrinken.

Als Verd√§chtige wurden Harald H. (23) und zwei mittlerweile 16-j√§hrige Burschen aus der Perger Skaterszene ausgeforscht. Der √Ąltere hatte sich unter den jungen Leuten als gro√üer Drogenkenner ausgegeben, der mit allen m√∂glichen Substanzen experimentierte.

Unter anderem war man beim Durchst√∂bern des Anwesens der Mutter des mitangeklagten Jugendlichen F. auf eine Dose mit Strychnin gesto√üen. Als “Speed” oder “Dope” wollte man es in der Jugendszene an den Mann bringen. Zwei geeichte √§ltere Drogenkonsumenten bekamen daraufhin Kr√§mpfe, erholten sich aber bald.

Am 12. Juli sollte die Substanz zwei jungen Menschen zum Verh√§ngnis werden: Dominic und Sandra erhielten das Strychnin von den Angeklagten zum Sniefen und verfielen in furchtbare Kr√§mpfe. Sandra soll schon nach einer Stunde verstorben sein und wurde in der Nische eines Br√ľckenpfeilers versteckt, Dominic lag tot in der an dieser Stelle 40 Zentimeter tiefen Naarn. Die Frage, wie er dorthin gekommen ist, wird im Prozess eine gro√üe Rolle spielen.

Was sich in jener Nacht unter den Angeklagten und den Opfern abgespielt hat, dar√ľber gibt es nur die widerspr√ľchlichen Aussagen der drei jungen M√§nner. Die Anklage geht davon aus, dass sie eine t√∂dliche Wirkung des Strychnins ganz bewusst in Kauf genommen hatten, es ist aber auch von Wiederbelebungsversuchen die Rede.

Kurt Lichtl, Verteidiger des Jugendlichen F., will unter anderem aufzeigen, dass Strychnin in der Szene nicht als t√∂dliches Gift gesehen wird, sondern als Substanz zum Strecken von anderen Drogen. Suchtgiftfahnder wissen, dass aus dem Osten etwa mit Strychnin gestrecktes Ecstasy auf den Markt kommt, so genannte “dreckige Drogen”.

Die beiden anderen Angeklagten werden von Albin Walchshofer und Gottfried Lindner verteidigt.

VON MARTHA HAKAMI
O√ĖN Hauptausgabe vom 27.05.2002 – Seite 019

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Perg: Verdächtige warten auf Doppelmord-Anklage

PERG. Im Fall des “Perger Doppelmords” wird es f√ľr drei Verd√§chtige bald ernst: Die Voruntersuchung ist abgeschlossen. Sobald die Anklageschrift da ist, kann den dreien der Prozess gemacht werden – m√∂glicherweise noch vor dem Sommer.

Bereits seit mehr als einem halben Jahr sitzen der 15-J√§hrige und sein mittlerweile 16-j√§hriger Freund genauso wie der 22-j√§hrige Hauptverd√§chtige, die die 13-j√§hrige Sandra im August mit Strychnin vergiftet und den 16-j√§hrigen Dominic zudem in der Naarn ertr√§nkt haben sollen, in Linz hinter Gittern. An eine Enthaftung selbst der Jugendlichen sei nicht zu denken, so Kurt Lichtl, der Linzer Anwalt des 16-j√§hrigen Verd√§chtigen: “Der Bursch wird immer d√ľnner und immer bleicher.”

Gespannt wartet derzeit alles auf die Anklageschrift. Die Verteidiger geben sich aber keinen Illusionen hin. “Ich rechne, dass die Staatsanwaltschaft voll reinf√§hrt und die Verd√§chtigen wegen Verdachts des Doppelmords anklagen wird”, so Lichtl, der mittlerweile auch den hauptverd√§chtigen Strychnin-Dealer Harald H. (22) kritisch in seine Verteidigungsstrategie miteinbeziehen muss.

Wie berichtet, hatten sich H. und der 16-Jährige zuletzt gegenseitig zu belasten versucht, als in einem kriminaltechnischen Gutachten festgestellt wurde, dass H. mit seinen Schuhen im Wasser der Naarn war. H. gestand daraufhin, gemeinsam mit seinem 16-jährigen Helfer Dominic zum Wasser geschleppt zu haben. Dass auf den Schuhen des Komplizen kein Naarn-Wasser gefunden wurde, erklärte H. damit, dass sich dieser die Schuhe ausgezogen habe.

VON MARTIN ROHRHOFER
O√ĖN Hauptausgabe vom 06.03.2002 – Seite 019

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Perger Doppelmord: Verdächtige belasten sich jetzt gegenseitig

PERG. Im Falle des “Perger Doppelmords” suchen die Verd√§chtigen jetzt offenbar die Flucht nach vorne und belasten sich gegenseitig – zum Teil mit Gest√§ndnissen. So will der Hauptverd√§chtige Harald H. (22) Dominic im Auftrag eines der mutma√ülichen Komplizen in der Naarn ertr√§nkt haben.

Wie berichtet hatte ein gerichtsmedizinisches Gutachten best√§tigt, dass sich der 16-j√§hrige Dominic im qualvollen Todeskampf nicht freiwillig zur Naarn bewegen habe k√∂nnen, sondern dorthin gebracht worden sein muss. Der 22-j√§hrige Strychnin-Dealer und seine beiden Helfer – 15 und 16 Jahre – hatten aber zun√§chst behauptet, Dominic im Park allein zur√ľckgelassen zu haben, nachdem sie den Eindruck hatten, dass es ihm besser gehe.

Jetzt gab der 22-Jährige aber auf einmal zu, dass er und der 16-Jährige doch Dominic verschwinden lassen wollten, damit er sie nicht verraten könne. Der 16-Jährige hätte ihn unter Druck gesetzt, ihm zu helfen, den noch lebenden Dominic zum Wasser zu schleppen. Ein biologisches Gutachten der kriminaltechnischen Zentralstelle beweise zudem, dass Harald H. mit seinen Schuhen im Wasser der Naarn war.

“Eine wildgewordene Orgie von Rundumschl√§gen”, poltert der Verteidiger des 16-J√§hrigen, Kurt Lichtl, “der 22-J√§hrige erhofft sich aus dem erfundenen Gest√§ndnis einen vermeintlichen Vorteil, den er nicht kriegen wird. Dass er Wasser auf den Schuhen hatte, l√§sst sich leicht dadurch erkl√§ren, dass die Verd√§chtigen dem durstigen Dominic immer wieder mit einem Tetrapak Wasser zum Trinken von der Naarn holten.” Der 16-J√§hrige blieb gestern bei seiner neuerlichen Einvernahme dabei, Dominic nicht zur Naarn geschleift zu haben.

VON MARTIN ROHRHOFER
Hauptausgabe vom 24.01.2002 – Seite 022

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Opfer von Giftanschlag doch ertränkt

PERG. Im Fall des “Doppelmords von Perg” wird es f√ľr die drei Verd√§chtigen offenbar eng: Ein j√ľngstes gerichtsmedizinisches Gutachten best√§tigt, dass der 16-j√§hrige Dominic im Todeskampf nicht freiwillig in die Naarn ging, sondern dort hingebracht worden sein muss.

W√§hrend Kriminalisten und Staatsanwalt immer davon ausgegangen waren, dass sich Dominic nach der Strychnin-Attacke nicht selbst im knietiefen Wasser der Naarn ertr√§nkt hat, behaupteten der 22-j√§hrige Hauptverd√§chtige und seine beiden jugendlichen mutma√ülichen Komplizen, Dominic in seinem Todeskampf im Park allein zur√ľckgelassen zu haben. Wie er ins Wasser gelangt sei, w√ľssten sie nicht. Lediglich hinsichtlich der 13-j√§hrigen Sandra, deren Leiche in einer Br√ľckennische versteckt gefunden wurde, soll es Gest√§ndnisse geben.

Ein Gutachten der Gerichtsmedizin Salzburg kommt aber nun zum Schluss, dass auch der 16-Jährige nicht mehr in der Lage war, sich selbst zum Bach zu schleppen. Dominic, der mit nacktem Oberkörper im Wasser liegend entdeckt worden war, muss von den Verdächtigen in die Naarn geworfen worden sein. Kurt Lichtl, Verteidiger einer der beiden Jugendlichen, kann sich dies nur so erklären, dass die Verdächtigen Dominic möglicherweise im Glauben, dass er tot sei, vom Tatort wegschaffen wollten.

Das Trio hatte den beiden im Sommer des Vorjahres das tödliche Rattengift als Ecstasy verkauft, worauf die Opfer in einem stundenlangen Todeskampf elend zu Grunde gingen. In zwei Wochen bereits könnte die Voruntersuchung abgeschlossen, in einem Monat die Anklage fertig sein. (ro)

O√ĖN 18.1.2002

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Rattengift-Opfer ertränkt

Dramatische Wende im “Mordfall Perg”: Dominik ging in seinem Todeskampf nicht selbst in die Naarn, sondern er wurde von den Verd√§chtigen hingeschafft.

LINZ (SN).Eine dramatische Wende zeichnet sich nach dem tragischen Tod der 13-j√§hrigen Sandra und des 16-j√§hrigen Dominik aus Perg (M√ľhlviertel) ab. Wie berichtet, wurden die beiden im Juli 2001 mit Strychnin vergiftet. Zwei 15-j√§hrige und ein 22-J√§hriger, die in Untersuchungshaft sitzen, hatten die Wirkung des Rattengiftes testen wollen, um sp√§ter damit Geld zu verdienen. Ein am Dienstag beim Landesgericht Linz eingelangtes Gutachten der Gerichtsmedizin Salzburg kommt zu dem Schluss, dass Dominik nicht – wie bisher angenommen – selbst in seinem Todeskampf in die kniehohe Naarn ging und dort ertrank.

Er sei von einer dritten Person dorthin verbracht, also ertr√§nkt worden. Zwei Verd√§chtige sollen bereits Gest√§ndnisse abgelegt haben. Vor diesem Hintergrund war eine Mittwoch anberaumte Haftpr√ľfungsverhandlung reine Formsache: Die Untersuchungshaft des Trios wurde verl√§ngert. Gerichtssprecher Karl Makovsky geht davon aus, dass die Voruntersuchung in zwei Wochen abgeschlossen wird. Noch ist eine chemischbakteriologische Untersuchung eines Wiener Institutes ausst√§ndig, bei der erhoben wird, ob die Schuhe der Verd√§chtigen mit Naarn-Wasser in Ber√ľhrung kamen.

Der grausige Tod der Jugendlichen hatte im Sommer 2001 f√ľr Aufsehen gesorgt. Den Opfern war Strychnin als gestampftes Ecstasy verabreicht worden. Die Verd√§chtigen sollen dem stundenlangen Todeskampf mit Krampfanf√§llen in einem Park tatenlos zugesehen haben. Die Leiche von Sandra versteckten sie in einer Nische. Dominik, dessen Todeskampf l√§nger dauerte, h√§tten sie allein zur√ľckgelassen, verantworteten sich die Verd√§chtigen bisher. Das Gutachten widerlegt diese Version: Demnach war der Bursch nicht mehr in der Lage, sich selbst vom Park zum Bach zu bewegen. Der 90-Kilo-Mann muss von den Verd√§chtigen hineingeworfen worden sein.

“Ich kann mir bei keinem der Drei vorstellen, dass sie pl√∂tzlich einen Bekannten zu Tode bringen. Diese Version ist mit dem Geschehensablauf und dem Handlungsschema nicht vereinbar”, sagte Kurt Lichtl, Linzer Verteidiger eines der Verd√§chtigen. Denkbar sei bestenfalls, dass sie im Irrtum, Dominik sei tot, die vermeintliche Leiche vom Tatort wegschaffen wollten.

FRITZ PESSL
Salzburger Nachrichten am 17. Januar, 2002 – Bereich: oesterreich

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Perger Doppelmord: 15-J√§hrige m√ľssen doch vor Gericht

PERG. Den beiden 15-J√§hrigen, die zwei junge Perger mit auf dem Gewissen haben sollen, wird doch der Prozess gemacht. Weil das psychiatrische Gutachten ihnen keine verminderte Reife, sondern altersbedingt normale Entwicklung bescheinigt, sind sie voll strafm√ľndig.

Wochenlang hatte der bekannte Wiener Kinderpsychiater Max Friedrich an dem psychiatrischen Gutachten f√ľr die beiden 15-J√§hrigen gearbeitet, denen vorgeworfen wird, gemeinsam mit dem 22-j√§hrigen Hauptverd√§chtigen den 16-j√§hrigen Dominic W. und die 13-j√§hrige Sandra mit Strychnin vergiftet zu haben.

Seit wenigen Tagen ist das Gutachten fertig und f√ľr die beiden 15-J√§hrigen sind die Chancen geschwunden, ohne Prozess davonzukommen. “Im Gutachten wurde festgestellt, dass keine verz√∂gerte Reife vorliegt und Pers√∂nlichkeitsstruktur und Urteilsf√§higkeit normal ausgepr√§gt sind”, verr√§t Kurt Lichtl, der Linzer Anwalt eines der beiden.

Prof. Max Friedrich habe aber in seinem Gutachten auch festgehalten, dass Lichtls Mandant, der ohne Vater aufwuchs, eine Vaterfigur gesucht und sie in dem 22-J√§hrigen gefunden habe. Im Gutachten ist die Rede von H√∂rigkeit, leichter Beeinflussbarkeit und kritikloser Unterordnung, was f√ľr Lichtl die Schuldhaftigkeit des Buben in Frage stellt. Der Verteidiger will die Erkenntnisse jedenfalls als Entlastungsargument f√ľr seinen Mandanten heranzuziehen versuchen.

Fest steht mittlerweile auch, dass sich die Tatverd√§chtigen sehr wohl noch vor dem t√∂dlichen Strychnin-Anschlag √ľber die Wirkung des Gifts informiert hatten, wobei in allen ben√ľtzten Quellen die absolut letale Wirkung nicht so dezidiert angef√ľhrt gewesen sei.

Eine Enthaftung scheint mit der bescheinigten Strafm√ľndigkeit aber in weitere Entfernung ger√ľckt zu sein. Die n√§chste Haftpr√ľfung ist f√ľr Ende November anberaumt. Das Ende der Voruntersuchung ist noch nicht abzusehen.

O√ĖN 5.10.2001

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Zu Schulbeginn in U-Haft
Tod durch Rattengift: Weiter Tatbegehungsgefahr bei zwei 15-Jährigen?

LINZ (SN-pef). Seit drei Wochen sitzen ein 22-J√§hriger und zwei 15-j√§hrige Sch√ľler im Landesgericht Linz in Untersuchungshaft. Zwei Jugendliche hatten in Perg qualvoll sterben m√ľssen, weil die Verd√§chtigen ihnen das Rattengift Strychnin und nicht wie vereinbart Ecstasy verabreicht hatten.

Gegen den jungen Mann und die zwei Burschen wurde die Voruntersuchung wegen Mordes, schwerer K√∂rperverletzung, Suchtgifthandels sowie Diebstahls verh√§ngt. Sie sollen unter anderem auch selbst Hanf angepflanzt haben. Ein gerichtsmedizinisches und zwei jugendpsychiatrische Gutachten sollen zur Kl√§rung beitragen, ob sie √ľberhaupt wegen Mordes angeklagt werden oder lediglich wegen des Vergehens der K√∂rperverletzung bzw. unterlassener Hilfeleistung.

W√§hrend ein Erwachsener bei Mordverdacht automatisch in U-Haft genommen wird, ist diese bei Jugendlichen nicht obligatorisch. Wegen der Gefahr der Tatbegehung m√ľssten die beiden allerdings weiterhin hinter Gittern bleiben, sagte der Linzer Gerichtssprecher Karl Makovsky. Eine Begr√ľndung, die Andreas Mauhart, Verteidiger eines der 15-J√§hrigen, nicht nachvollziehen kann: “Es ist doch l√§cherlich, anzunehmen, dass der Bub allein noch ein √§hnlich gelagertes Delikt begeht.”

Er werde jedenfalls in den n√§chsten Tagen noch einen Enthaftungsantrag stellen, damit der Jugendliche den Schulbeginn nicht vers√§umt. Sein Mandant sei √ľberhaupt erst drei Monate vor dem Geschehen nach dem Gesetz strafm√ľndig geworden und m√∂glicherweise mangels geistiger Reife nicht schuldf√§hig, betonte der Anwalt. “Eine Mordanklage wird sicher nicht halten. Hier wird das Prinzip mitgehangen, mitgefangen angewendet, der Bub war beim Verabreichen des Giftes nicht dabei”, sagte Mauhart.

Auch der Verteidiger des anderen 15-J√§hrigen, Karl Kr√ľckl, findet im Akt nichts, was auf einen Mordvorsatz hindeutet. “Leider ist es g√§ngige Praxis, dass in solchen F√§llen immer ein jugendpsychologisches Gutachten abgewartet wird, bevor das Gericht einer Enthaftung zustimmt.” Der Jugendliche sei durch die U-Haft “mehr als gel√§utert”, sagt der Anwalt.

Er rechnet damit, dass die Expertisen in zwei Monaten vorliegen, die Voruntersuchung soll nach drei Monaten abgeschlossen sein.

SN 7.9.2001

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7.9. 2001, Nachrichten 9.55 – 7.09.2001

Ohne Strafe davonkommen k√∂nnten jene beiden 15j√§hrigen Burschen, die im Bezirk Perg am Srychnin-Tod der beiden Teenager Sandra H. und Dominic W. beteiligt gewesen sein sollen. Der Grund daf√ľr: Den beiden 15j√§hrigen k√∂nnte verminderte Reife attestiert werden, was sie nach dem Jugendgesetz strafunm√ľndig macht. Kurt Lichtl, Anwalt eines 15j√§hrigen zu Life Radio.

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Pärchen-Mord: Buben könnten ohne einen Prozess heimgehen

PERG. Gespannt warten Gericht, Anw√§lte und Angeh√∂rige auf die psychiatrischen Gutachten f√ľr die beiden 15-J√§hrigen, die ein junges Perger P√§rchen auf dem Gewissen haben sollen: Denn sollte dem Duo verminderte Reife gezollt werden, w√ľrde es enthaftet und ihm nicht einmal der Prozess gemacht.

Noch sitzen der 22-j√§hrige Hauptverd√§chtige und mittlerweile beide 15-j√§hrigen Komplizen, denen vorgeworfen wird, den 16-j√§hrigen Dominic W. und dessen 13-j√§hrige Freundin Sandra H. mit Strychnin vergiftet zu haben, in Linz hinter Gitter. Einer der beiden Jugendlichen hatte nach einem Mopedunfall noch l√§ngere Zeit in der Inquisitenabteilung des AKH zubringen m√ľssen, bevor auch er ins Landesgericht √ľbersiedelte.

F√ľr die beiden J√ľngeren k√∂nnten sich aber m√∂glicherweise schon bald die Gef√§ngnistore auftun. Dann n√§mlich, wenn ihnen der bekannte Wiener Kinderpsychiater Max Friedrich, der derzeit am psychiatrischen Gutachten f√ľr die beiden 15-J√§hrigen arbeitet, verminderte Reife zuschreibt. “Bei verz√∂gerter Reife w√§ren die 15-J√§hrigen strafrechtlich nicht mehr weiter belangbar, weil mit 14 Jahren noch Strafunm√ľndigkeit vorliegt”, erkl√§rt der Linzer Anwalt eines der 15-J√§hrigen, Kurt Lichtl.

Noch nicht abgeschlossen ist auch die Computer-Auswertung des PCs eines der 15-J√§hrigen. Damit soll gekl√§rt werden, ob sich die Verd√§chtigen doch schon vor dem t√∂dlichen Strychnin-Anschlag via Internet √ľber die letale Wirkung des Gifts informiert haben oder, wie sie jetzt behaupten, erst nach dem Tod der beiden.

Die beiden J√ľngeren sollen auch nach wie vor dabei bleiben, dass der 22-J√§hrige die 13-J√§hrige w√§hrend deren Todeskampfs sexuell missbraucht habe. Der 22-J√§hrige wiederum bestreitet diese Vorw√ľrfe. Laut Obduktionsbericht wies das M√§dchen keine Spuren einer definitiven Vergewaltigung auf. Als man Sandras unter einem Steg versteckte Leiche fand, waren jedoch oberfl√§chliche H√§matome feststellbar. Das Blut im Gesicht der 13-J√§hrigen wurde auf Tierfra√ü zur√ľckgef√ľhrt. Sollte das medizinische Gutachten keine endg√ľltige Klarheit bringen, k√∂nnte es sein, dass die Leiche der 13-J√§hrigen exhumiert werden muss.

Warum keiner der Anw√§lte bisher einen Enthaftungsantrag f√ľr seinen Mandanten gestellt hat, erkl√§ren die Verteidiger zum einen damit, dass auf Grund der schwerwiegenden Vorw√ľrfe eine Enthaftung ohnehin nicht zu bewerkstelligen sei. Zum anderen erkenne das Obergericht obligatorisch einen dringenden Tatverdacht, was im Geschwornenprozess erfahrungsgem√§√ü Nachteile bringe. Die n√§chste Haftpr√ľfungsverhandlung ist f√ľr Ende September angesetzt.

O√ĖN 7. 9. 2001

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