Medienspiegel 1984 bis 1989

  • Mit von der “Vanilli-Partie”:
    Vier Jahre f√ľr Tresoreinbrecher LINZ (O√ĖN-ha).
  • Zw√∂lfj√§hrige mu√üte auf Diebstouren gehen
    Rabenmutter schickte ihre Tochter regelmäßig stehlen
  • Anwalt prangert Erbrecht bei Menschenrechtskommission an LINZ (O√ĖN-ha).
  • Umst√§ndliche “R√§uber” wurden von Opfer in die Flucht geschlagen
  • OGH lie√ü ihn abblitzen:
    Dreifachmörder beschwert sich bei Europas höchster InstanzMörder geht vor Euro-Gerichtshof!
  • Jugoslawischer Gastarbeiter erscho√ü Lebensgef√§hrtin,
    Nebenbuhler und dessen Schwester 16 Jahre f√ľr Dreifachm√∂rder
  • Als ihn die junge Geliebte verlie√ü, hatte das Leben f√ľr den Gastarbeiter H. A. (44) keinen Sinn mehr
    Betrogener tötete im Blutrausch drei Menschen
  • Exekutor wollte M√∂bel holen:
    Familienvater wurde Bankräuber
  • Mildes Gericht verstand soziale Not des R√§ubers
  • Recht und Gesetz in √Ėsterreich
  • Leuchtreklame besch√§ftigte zwei √Ąmter und das Gericht
  • “Bedingt” f√ľr kranken Bankr√§uber
  • Nach Messerattentat des Vaters erlitt Elfj√§hriger Psychoschock
  • Betriebsspionage zwecks besseren Teamworks mit den Partnern
    Unterlagen aus VOEST-Alpine AG und der Chemie Linz gestohlen
  • Gericht wies Klage gegen Krankenhaus ab
    Nach Therapie ein Pflegefall
  • Linz: Drei arbeitslose Briten importierten Hasch aus Holland
    5 Jahre Haft f√ľr Dealer!

Mit von der “Vanilli-Partie”:
Vier Jahre f√ľr Tresoreinbrecher LINZ (O√ĖN-ha).

Obwohl es angesichts der belastenden Aussagen seiner Komplizen aussichtslos war, beharrte der 31j√§hrige Dietmar Em gestern vor Gericht darauf, er w√§re bei dem Tresoreinbruch ins Linzer Altstadtlokal “Vanilli” im M√§rz 1988 nicht dabeigewesen. So bekam er seine vier Jahre eben ohne Gest√§ndnis (Vorsitzender Richter Hadwiger, Staatsanwalt Kobliha).

Em war dar√ľber so sauer, da√ü er sich nicht einmal mehr die Urteilsbegr√ľndung anh√∂rte und von seinem Bewacher gleich wieder in die Zelle abf√ľhren lie√ü.

Etwa 180.000 Schilling waren in dem Tresor gewesen, der damals innerhalb von zwei Monaten gleich zweimal gepl√ľndert worden war. Eine Bande hatte sich zu jener Zeit darauf spezialisiert, die Geldschr√§nke von Linzer Lokalen zu knacken oder gleich im ganzen zu stehlen. Beim zweiten “Vanilli”-Coup war auch Dietmar Em mit von der Partie, der sechs einschl√§gige Vorstrafen hat und bei fr√ľheren Gef√§ngnisaufenthalten mehrmals als Ausbrecher Gro√üfahndungen auf sich zog.

Die √ľbrigen Bandenmitglieder sind bereits verurteilt, der Bo√ü Gernot Einsiedl erhielt dreieinhalb Jahre. Bei Em fiel die Strafe diesmal so hoch aus, weil er aufgrund seiner Vergangenheit bereits als R√ľckfallt√§ter eingestuft wird. Abgesehen von der Tresorgeschichte lagen Em (verteidigt von Anwalt Dr. Kurt Lichtl) diesmal noch zwei Einbr√ľche in Autowerkst√§tten zur Last, die er aber ebenfalls bestritt. Wegen anderer Delikte war er zuletzt in Steyr zu einem Jahr Haft verurteilt worden, die er derzeit gerade absitzt.

O√ĖN 25. Juli 1989

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Zwölfjährige mußte auf Diebstouren gehen
Rabenmutter schickte ihre Tochter regelmäßig stehlen

Es ist unfaßbar: Eine Mutter schickte ihr Kind regelmäßig zum Stehlen. Als die Sache aufflog, schob die Frau dann noch alle Schuld auf das Kind. Vor Gericht nahm man ihr das nun nicht ab Рes gab eine bedingte Haftstrafe.

“Ich hab die Angaben vor der Polizei nur deshalb gemacht, weil die mir gedroht haben, da√ü sie mir die anderen Kinder auch nehmen.” Und weiters: “Und die Gabi wollte ich doch sch√ľtzen”, log greifbar ohne rot zu werden die Rabenmutter Sonja M. (35). (Verteidger Dr. Lichtl).

Was war geschehen? In den Linzer Kaufhäusern und Geschäften wruden im Herbst 1983 laufend Mankos in den Kassen festgestellt. Erst verdächtigte man die Angestellten, aber bei Proben stellte sich heraus, daß diese zuverläßig waren. Durch Zufall kam der Kripo zu Ohren, daß ein unscheinbares Mädchen immer dann bei den Kassen gesehen worden ist, wenn Geld fehlte. Beträgen zwischen 750 und 5000 S.

Dann erwischte man die zw√∂lfj√§hrige Gabriele M. Erst leugnete das Kind, dann gab es einige kleinere Diebst√§hle zu. Als man die Mutter vernahm, belastete diese ihre Tochter: “Ich hab schon alles versucht, dem Kind das Stehlen abzugew√∂hnen.” und: “ich hab auch schon das Jugendamt eingeschaltet,” wollte sie die Anstiftung auf das strafunm√ľndige Kind schieben. Mit diesen Angaben konfrontiert, begann Gabriele M. zu erz√§hlen. 27 Diebst√§hle wurden √ľberpr√ľft und stimmten. Dazu kamen Kleider, Lebensmittel, Fleisch und Spirituosen. “Ich la√ü mich f√ľr mein Kind verurteilen,” log die verstockte Frau weiter, obwohl die Tatsachen eine ganz andere Sprache sprachen.

Gabriele ist derzeit in Baumgartenberg bei den Schwestern und f√ľhlt sich dort wohl. Ihr Mutter, die das Kind sogar manchesmal geschlagen hatte, wenn es ohne Diebsgut nach Hause kam, erhielt eineinhalb Jahre, bedingt auf drei Jahre. Die zahlreichen Kibitze verstanden das Urteil nicht. “Zu wenig,” kommentierte man.

Kurier 1989

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Anwalt prangert Erbrecht bei Menschenrechtskommission an LINZ (O√ĖN-ha).

Es gibt zwar bereits einen Gesetzentwurf √ľber die erbrechtliche Gleichstellung von unehelichen Kindern mit ehelichen, aber derzeit gelten eben noch wie eh und je die altv√§terischen Bestimmungen des B√ľrgerlichen Gesetzbuchs, das uneheliche Kinder wie eine Art Schmarotzer an der imagin√§ren Gro√üfamilie behandelt. In einem H√§rtefall, in dem ein Kind aus einer Lebensgemeinschaft v√∂llig leer ausgehen soll und mitsamt der Mutter das v√§terliche Haus verlassen mu√ü, rief der Linzer Anwalt Kurt Lichtl die Menschenrechtskommission in Stra√üburg an.

Bei seiner Scheidung hatte Franz Z. sein erstes Haus seiner Ex-Frau √ľberlassen, f√ľr den Sohn zahlte er vorschriftsm√§√üig Unterhalt. Inzwischen baute er allein ein zweites Haus, das er mit seiner Lebensgef√§hrtin Dorothea B. und der gemeinsamen Tochter Marion, die 1983 geboren wurde, bewohnte. In der Meinung, mit der Scheidungsregelung seien alle weiteren Anspr√ľche seines Sohnes erloschen, mit dem er keinen pers√∂nlichen Kontakt mehr hatte, dachte er gar nicht daran, ein Testament wegen des zweiten Hauses zu errichten. Dies w√ľrde, glaubte er, automatisch seiner zweiten Familie zufallen, sollte ihm etwas zusto√üen.

Als er 1988 unerwartet im Alter von 49 Jahren starb, gab es f√ľr Dorothea B. und ihre Tochter aber eine b√∂se √úberraschung, an der freilich gesetzlich nicht zu r√ľtteln war: Haus Nr. 2, das dem Verstorbenen allein geh√∂rt hatte, fiel dem inzwischen erwachsenen Sohn zu. Denn nach der derzeitigen Regelung werden eheliche Kinder unehelichen vorgezogen. Lebensgef√§hrtin und Tochter sollen demn√§chst ausziehen.

Versuche, √ľber die Gerichte dagegen anzuk√§mpfen, etwa unter Hinweis auf den Gleichheitsgrundsatz, brachten bis zum Obersten Gerichtshof nur abschl√§gige Urteile und Verweise auf Tradition und Ordnung.

Da wurde eine Gesetzeserl√§uterung zitiert, wonach das “uneheliche Kind als Eindringling empfunden werden w√ľrde, was zu schwersten Zerw√ľrfnissen innerhalb der v√§terlichen Familie f√ľhren k√∂nnte”, und dergleichen. Auch wollte keine der angerufenen Instanzen pr√ľfen lassen, ob das Erbrecht in der derzeitigen Form nicht etwa verfassungswidrig ist. Eine solche Pr√ľfung h√§tte die ohnehin geplante Novellierung vielleicht beschleunigt. So schickte Anwalt Kurt Lichtl k√ľrzlich eine Beschwerde nach Stra√üburg ab – wegen Verletzung des Eigentumsrechts. Dort mu√ü jetzt √ľber die Zulassung der Beschwerde entschieden werden.

O√ĖN 8. Juni 1989

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Umst√§ndliche “R√§uber” wurden von Opfer in die Flucht geschlagen

LINZ (O√ĖN-ha). Ihre Umst√§ndlichkeit bewahrte drei junge Linzer vermutlich davor, noch √§rgere Straftaten zu begehen: Nachdem die Br√ľder Markus (22) und Mike Grager (19) sowie Freundin Seida H. (20) beschlossen hatten, in Burghausen in Bayern einen Gastwirt zu √ľberfallen, kauften sie zun√§chst eine Eisens√§ge, um von einem Baum einen passenden Kn√ľppel abschneiden zu k√∂nnen!

Trotzdem verpa√üten sie ihr Opfer Romano A. zweimal: Beim ersten Versuch war er nicht in seinem Lokal, als die “R√§uber” auftauchten, beim zweiten Mal wurden sie gerade im entscheidenden Augenblick in einen Streit verwickelt. So √§nderten sie ihre Taktik und beschlossen, Romano mit √Ąther zu bet√§uben. In der ersten Apotheke mu√üten sie unverrichteter Dinge wieder abziehen, weil sie die Frage, wof√ľr sie √Ąther br√§uchten, nur vage mit “f√ľr die Mama” beantworteten.

Um diese Erfahrung reicher, erkundigten sie sich in einer zweiten Apotheke nach harmlosen Verwendungsm√∂glichkeiten f√ľr das Bet√§ubungsmittel und bekamen es mit Hilfe dieser Auskunft schlie√ülich in einer dritten. Aber Romano schlug die T√§ter in die Flucht, als sie ihm mit einem √§thergetr√§nkten Lappen zu nahe kamen … Schon zuvor hatten die Br√ľder einer Frau die Handtasche entrissen, aber dabei nur umgerechnet 14 Schilling erbeutet.

Obwohl sie Bayern, wo sie eigentlich auf Arbeitssuche gewesen waren, nach dem kl√§glichen Scheitern ihrer R√§uberkarriere fluchtartig verlie√üen, wurden die Linzer bald ausgeforscht. Die Burschen hatten n√§mlich auch in der deutschen Baufirma, wo sie f√ľr einige Tage angeheuert worden waren, Kollegen bestohlen und waren dabei erwischt worden. Trotz ihres fehlenden Talents hatten es Mike und Markus schon auf Vorstrafen gebracht.

Richter Heribert Mitterhauser verurteilte sie gestern zu einem Jahr bzw. zwanzig Monaten unbedingt. Seida H., die den √Ąther gekauft und die Burschen wegen ihres Ungeschicks als “Trottel” beschimpft hatte, kam mit sechs Monaten bedingt davon (Verteidiger Hawlik, Schattenberg, Lichtl).

O√ĖN 2. Juni 1989

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OGH ließ ihn abblitzen:
Dreifachmörder beschwert sich bei Europas höchster InstanzMörder geht vor Euro-Gerichtshof!

An den Europ√§ischen Gerichtshof f√ľr Menschenrechte will sich der Linzer Rechtsanwalt Dr. Kurt Lichtl im Namen seines Mandanten H. A.(44) wenden. Der Jugoslawe ist vergangenen J√§nner in Linz wegen dreifachen Mordes zu 16 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er seine Ex-Geliebte Roswitha B. (29), deren neuen Freund Franz A. (33) und dessen Schwester Hildegard K. (31) erschossen hatte.

Frage: Was tun, wenn man gegen ein Urteil Nichtigkeit anmeldet, davon √ľberzeugt ist, tats√§chlich im Recht zu sein – und dann beim Obersten Gerichtshof in Wien, der quasi letzten Instanz innerhalb unserer Grenzen, trotzdem abblitzt. Antwort: Man sprengt die Grenzen und bem√ľht den Europ√§ischen Gerichtshof. Auch wenn es nur um eine Formalfrage geht …

So im Fall des Dreifachm√∂rders H. A. (die “Krone” berichtete ausf√ľhrlich unter dem Titel “Betrogener t√∂tete im Blutrausch drei Menschen”). Er, so sein Anwalt, habe sich bez√ľglich der T√∂tung Franz A. mit Notwehr verantwortet.

Diese M√∂glichkeit wurde aber in der Fragestellung an die Geschworenen √ľberhaupt nicht ber√ľcksichtigt.

Dr. Lichtl: “Der Paradefall einer Nichtigkeit!” Dr. Lichtl weiter: “Eine im meinem Sinne positive Auslegung dieses Falles durch den Europ√§ischen Gerichtshof f√ľr Menschenrechte w√§re f√ľr die Rechtsprechung richtungsweisend.” Einen neuen Proze√ü gibt`s auf keinen Fall – h√∂chstens eine finanzielle Entsch√§digung nach der Entlassung. Und einen besseren Ausgangspunkt f√ľr eine eventuelle bedingte Entlassung bei “guter F√ľhrung” …

VON ELFI HANNER
Kronen Zeitung 30. Juni 1987

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Jugoslawischer Gastarbeiter erschoß Lebensgefährtin,
Nebenbuhler und dessen Schwester 16 Jahre f√ľr Dreifachm√∂rder

LINZ (jogra). Ein Blutdrama, das im Juni vergangenen Jahres drei Menschen das Leben kostete, fand gestern in einem Geschworenenproze√ü (Vorsitz Mag. Mitterlehner, Staatsanwalt Dr. Sittenthaler, Verteidiger Dr. Lichtl) im Landesgericht Linz ein gerichtliches Nachspiel. Der dreifache M√∂rder H. A. (45) aus Jugoslawien, der seit rund 16 Jahren in √Ėsterreich lebt und zuletzt in Leonding gewohnt hatte, wurde nun wegen Mordes zu 16 Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte H. A. zeigte sich gestern im wesentlichen gest√§ndig, seine damalige Lebensgef√§hrtin Roswitha B. (29), den verheirateten Nebenbuhler Franz A (32) und dessen Schwester Hildegard K. (29) durch insgesamt sieben Sch√ľsse aus seiner Pistole in Sch√∂nering (Gemeinde Wilhering) get√∂tet zu haben. Allerdings wollte er von der Mordversion des Staatsanwaltes nichts wissen, er habe aus Angst gehandelt und h√§tte gerne die rechtliche Qualifikation als Totschlag mit entsprechend geringerem Strafrahmen gesehen.

Der Bauarbeiter, der auf seinen Arbeitspl√§tzen als flei√üig und beliebt galt, befand sich seit sieben Jahren in Lebensgemeinschaft mit Roswitha B. Sie hatten auch zwei Kinder miteinander, ein drittes stammte aus einer fr√ľheren Beziehung B. Eines Tages ging B. mit dem verheirateten Franz A. ein Verh√§ltnis ein. Deswegen wollte sie von H. A. und den gemeinsamen Kindern nichts mehr wissen. Sie stellte ihm am Vorabend der Tat die nur notd√ľrftig bekleideten Kinder vor die T√ľre, worauf er sie in der Arbeiterunterkunft unterbrachte.

Als H. A. am n√§chsten Tag die Kleider der Kinder abholen wollte, kam es zur Bluttat. Die sp√§teren Mordopfer sa√üen gerade beim Essen, als H. A. kam. Franz A. beleidigte den Jugoslawen in seiner “m√§nnlichen Ehre”, sagte ihm, er solle sich “schleichen”, da nun er der Hausherr sei und drohte ihm auch noch, ihn “mit dem Messer abzustechen”. Daraufhin d√ľrfte H. A. rot gesehen haben. Er holte seine Pistole aus dem Auto und erscho√ü aus k√ľrzester Distanz alle drei Anwesenden. Daraufhin richtete er die Waffe gegen sich selbst. Er scho√ü sich in die rechte Schl√§fe, konnte jedoch trotz einer Gehirnverletzung im Spital gerettet werden, es bleibt ihm aber ein gel√§hmter Arm.

Über das Motiv der Wahnsinnstat gingen gestern die Meinungen des Staatsanwaltes und der Verteidigung auseinander. Dr. Sittenthaler stellt die Aussage des Täters, er habe Angst vor dem Messer des Franz A. gehabt, als Schutzbehauptung hin. Vielmehr habe er wegen der erlittenen Kränkung seines Stolzes und der Männlichkeit geschossen, er habe seine Opfer brutal abgeknallt.

Verteidiger Dr. Lichtl sah die Situation in seinem Pl√§doyer in einem anderen Licht und wollte auf “Totschlag” hinaus. H. A. habe tats√§chlich Angst vor Franz A. gehabt und in einem “Affekttunnel” (Dr. Jarosch) gehandelt.

O√Ė Tagblatt 13. J√§nner 1987

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Als ihn die junge Geliebte verlie√ü, hatte das Leben f√ľr den Gastarbeiter H. A. (44) keinen Sinn mehr
Betrogener tötete im Blutrausch drei Menschen

F√ľr sie hatte er Frau und drei Kinder im Stich gelassen. Als der jugoslawische Gastarbeiter H. A. (44) aus Wilhering bei Linz dann aber einem neuen Liebhaber Platz machen mu√üte, wurde er zum Amokl√§ufer: Er erscho√ü im Blutrausch seine fr√ľhere Geliebte, seinen Rivalen sowie dessen Schwester. – Am Montag fand in Linz der Proze√ü gegen den Dreifachm√∂rder statt.

H. A., nach einem mi√ügl√ľckten Selbstmordversuch durch Kopfschu√ü teilweise gel√§hmt, vor Gericht: “Ich habe die Roswitha geliebt. Ohne sie war mein Leben zu Ende!” Mit diesen Worten begr√ľndete der Dreifachm√∂rder nun vor einem Linzer Schwurgericht (Vorsitz Mag. Mitterlehner, Staatsanwalt Dr. Sittenthaler, Verteidiger Dr. Lichtl) seine grausame Tat.

Die Vorgeschichte: H. A. arbeitete seit 1970 in √Ėsterreich; seine Gattin und die drei Kinder leben in Jugoslawien. Als er 1978 die damals 21j√§hrige Roswitha B. kennenlernt, brach er den Kontakt mit seiner Familie v√∂llig ab. Er gr√ľndete eine neue: mit Roswitha B. und den gemeinsamen Kindern Nadja (6) und David (4). W√§hrend er als Maurer auf diversen Baustellen arbeitete, betreute die junge Frau den Haushalt und die Kinder. Sie freundete sich auch mit einer Nachbarin an: Hildegard K. (31). Bei ihr weinte sie sich aus, wenn ihr eifers√ľchtiger Lebensgef√§hrte sie geschlagen hatte.

Aber diese gute Freundin, sie verkuppelte Roswitha mit dem 33jährigen Franz A. Рihrem verheirateten Bruder! Zwischen den beiden funkte es sofort. Der Mann beschloß, sich scheiden zu lassen und mit Roswitha B. ein neues Leben zu beginnen.

Als die Liebenden von H. A. im verdunkelten Schlafzimmer erwischt werden, leugnen sie vorerst. Doch dann trifft sich Roswitha B. ganz ungeniert mit dem Nebenbuhler. Es setzt Ohrfeigen. Dann steht H. A. eines Tages vor verschlossenen T√ľre. Er holt die gemeinsamen Kinder und bringt sie zu seinem Bruder. Es scheint, als habe er sich mit der Trennung abgefunden.

Am 10. Juni kommt er, um die restliche Kleidung der Kinder zu holen. Obwohl er angemeldet ist, hat Rowitha ein “Hendlessen” mit Franz A., Hildegard K. und deren Kindern arrangiert.

Die G√§ste grinsen provokant, als H. A. eintritt: “Spitze ist deine Alte im Bett! Und jetzt schleich dich, bevor ich dich abstech` wie a Sau”, wirft ihm der Nebenbuhler an den Kopf. Hildegard K feixt: “Sp√§t hast es bemerkt!”

H. A. geht zum Auto, in dem Nadja und David sitzen und auf ihn warten. Aus dem Kofferraum holt er seine Pistole: “Nur zur Verteidigung”, sagt er jetzt vor Gericht. Aus k√ľrzester Entfernung t√∂tet er Franz A., Roswitha B. und Hildegard K.

Zuletzt scho√ü sich H. A. eine Kugel in den Kopf. Doch das Schicksal war unerbittlich: Er allein √ľberlebte das Blutbad …
Das Urteil: 16 Jahre.

VON ELFI HANNER
Kronen Zeitung 13. Jänner 1987

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Exekutor wollte Möbel holen:
Familienvater wurde Bankräuber

LINZ (O√ĖN-ha). Die Kosten seiner Neubauwohnung im Linzer Stadtteil Auwiesen waren dem Zimmerer Rudolf T. (28) √ľber den Kopf gewachsen. Miete und Kreditraten machten mehr aus, als er √ľberhaupt verdiente. Als im Februar der Exekutor erschien, um die bereits gepf√§ndeten M√∂bel abzuholen, drehte der Familienvater durch: Mit einem Spielzeugrevolver seiner Kinder ging er in die n√§chstbeste Bank und raubte 5000 Schilling, die er anschlie√üend sofort dem Exekutor aush√§ndigte.

Angesichts seiner Unbescholtenheit und der vielen Milderungsgr√ľnde durfte T., der bis jetzt in Untersuchungshaft gewesen war, gestern nach der Verhandlung gleich heimgehen: Das Gericht hatte ein Einsehen und verh√§ngte nur ein Jahr bedingt (Vorsitzender Dr. Jahn, Staatsanw√§ltin Dr. Loderbauer).

Der Vater von drei kleinen Kindern hatte bisher immer flei√üig gearbeitet, nur die letzten drei Monate war er arbeitslos gewesen. Aber auch mit seinem Einkommen hatte er die monatlichen Zahlungen nicht mehr leisten k√∂nnen, die mit dem Umzug aus einer Substandardwohnung in einen Neubau in Auwiesen verbunden waren. Niemand hatte ihm je gesagt, da√ü er Anspruch auf Wohnbeihilfe habe, auch um Arbeitslosengeld und Familienbeihilfe hatte er nicht angesucht. So wu√üte die Familie bald nicht mehr aus und ein, von der R√ľckzahlung der Schulden von 200.000 S gar nicht zu reden.

Ich habe einen normalen Lebenswandel ohne jeglichen Luxus gef√ľhrt, meinte T. (Verteidiger Dr. Kr√ľckl) bei der Verhaftung. Aber etwas anderes hatte das Gericht sowieso nicht angenommen.

Fernseher und auch sonst alles Entbehrliche waren ohnehin bereits exekutiert. Als am 26. Februar auch noch Wohnzimmerschrank und Sitzgarnitur abgeholt werden sollten und damit die Wohnung praktisch ausger√§umt worden w√§re, entschlo√ü sich der v√∂llig verzweifelte Familienvater zu einer Blitzaktion in der Sparkassenfiliale in Kleinm√ľnchen. Mit der Beute konnte er gerade nur einen Beleuchtungsk√∂rper retten, den der Gerichtsvollzieher sonst auch abmontiert h√§tte.

Mittlerweise ist die teure Wohnung gek√ľndigt und die Beihilfenmaschinerie in Bewegung gesetzt, auch die Angeh√∂rigen der Ehefrau helfen, so wie k√∂nnen. Und Rudolf T. selbst “will die √Ąrmel aufkrempeln”, wie er sagt, und sich in die erstbeste Arbeit st√ľrzen.

O√ĖN 1986

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Mildes Gericht verstand soziale Not des Räubers

Linz (jogra). Dr√ľckende Schulden trieben den besch√§ftigungslosen Zimmerer Rudolf T. (28) am 26. Februar zu einer un√ľberlegten Verzweiflungstat. Der Familienvater, der f√ľr Gattin und drei kleine Kinder im Alter von zwei, vier und sechs Jahren zu sorgen hat, √ľberfiel eine Bank.

Der gestern Angeklagte war durch einen notwendigen Kredit und M√∂belkauf auf Raten bei extrem hohen Wohnungskosten total √ľberfordert. Als wieder einmal der Gerichtsvollzieher anklopfte, um den Rest der Wohnzimmereinrichtung zu exekutieren, bat er um eine Stunde Aufschub, um Geld aufzutreiben. Er erhielt jedoch bei seinem Versuch telefonisch eine Absage und war, wie er dem Sch√∂ffengericht erz√§hlte, “total am Boden zerst√∂rt”.

In seiner Verzweiflung erinnerte er sich an eine Spielzeugpistole, die im Keller aufbewahrt war. Diese holte er sich und betrat derart “bewaffnet” eine Bank mit den Worten: “√úberfall – Geld her!” Der Kassier h√§ndigte ihm 5000 Schilling aus, genau den Betrag, den der Exekutor forderte. “Ich habe das erste Packerl geschnappt und bin gerannt”, berichtete der “bescheidene” Bankr√§uber weiter.

Selbst in Angst und Furcht versetzt, fl√ľchtete er und √ľbergab die Beute dem Exekutor, dem die Sache verd√§chtig vorkam und auch Anzeige erstattete.

In der gestrigen Verhandlung trat selbst die Staatsanw√§ltin Dr. Loderbauer aufgrund der pers√∂nlichen sozialen Hintergr√ľnde – und nicht um einen Bankraub schmackhaft zu machen – f√ľr eine bedingte Freiheitsstrafe ein. Auch Verteidiger Dr. Kr√ľckl pl√§dierte auf eine Strafe im unteren Bereich. Schlie√ülich verurteilte Vorsitzender Dr. Jahn den Angeklagten zu nur einem Jahr bedingter Haftstrafe, da mildernde Umst√§nde ber√ľcksichtigt werden konnten.

O√Ė Tagblatt Dienstag, 15. April 1986

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Recht und Gesetz in √Ėsterreich

Vier Lehrer aus Tragwein zitierten das Land vor den Kadi: Nach der Amtshaftung w√ľnschten sie die Verurteilung der Landesschuldbeh√∂rde wegen Verdienstentganges. Weil die Beh√∂rde eine Lehrerkollegin erst nach 20 Krankheitsmonaten in Pension geschickt hat, obwohl dies schon nach 12 Monaten gesetzlich m√∂glich gewesen w√§re, mu√üten die Kl√§ger f√ľr die abwesende Kollegin den Unterricht √ľbernehmen. Diese T√§tigkeit wird aber geringer honoriert als die √úbernahme einer lehrerlosen Klasse.

Richter Dr. Reindl wies die Amtshaftungsklage ab. Begr√ľndung: Das Gesetz sei dazu geschaffen worden, einen geordneten Unterricht zu garantieren, nicht aber, Lehrern bei Erkrankung eines Kollegen einen m√∂glichst guten zus√§tzlichen Verdienst zu verschaffen. Die Interessen des Landes vertrat RA Dr. Kr√ľckl.

Korrekt 1985:

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Leuchtreklame besch√§ftigte zwei √Ąmter und das Gericht

LINZ (O√ĖN-ha). Das Linzer Bau- und Feuerpolizeiamt ist sowieso total √ľberlastet, und dann kommt noch das Baurechtsamt, dem man von jeher nicht sehr gr√ľn ist wegen der Kompetenzen, und f√§ngt so einen Wirbel um so einen Schmarrn an: Denn, da√ü das Ganze ein Schmarrn war, eine “watscheneinfache Sache, ein ganz winziger, unbedeutender Akt”, dar√ľber waren sich gestern vor Gericht ausnahmsweise sogar die Vertreter von Baurechtsamt und Baupolizei einig. Es sei daher auch vorweggenommen, da√ü dabei √ľberhaupt nichts herauskam.

Aber von Anfang an: 1982 entdeckte der Baumeister Karl Niedermayr (44), beim Baupolizeiamt als Bauobersekretär beschäftigt und als äußerst gewissenhaft bekannt, daß die Leuchtreklame einer Leuchtreklamenfirma in der Waldeggstraße weder in der richtigen Höhe noch in der richtigen Breite angebracht war und somit heftig gegen die Vorschriften der oö. Bauordnung verstieß.

Unter anderem ragte sie 2,70 m √ľber die Baufluchtlinien hinaus, wo nur 2 m erlaubt sind. Es folgte die √ľbliche Amtshandlung, beh√∂rdliche Aufforderung an die Firma, die Reklame zu entfernen oder neue Pl√§ne daf√ľr einzureichen, und nach einer Bauverhandlung genehmigte Niedermayr die Leuchtreklame, die nunmehr an einer anderen Stelle befestigt war. Der Akt wanderte als erledigt ins Archiv.

Im Jahr darauf stellte der beim Baurechtsamt beschäftigte und ebenfalls mit dem Fall befaßte Florian G. (24) im Vorbeifahren mit freiem Auge fest, daß die Leuchtschrift noch immer nicht den amtlichen Vorstellungen entsprach. Zwar leuchtete sie jetzt in der richtigen Höhe, aber nach wie vor zu weit außerhalb der Fluchtlinien. Er grub den Akt aus und mußte sehen, daß Obersekretär Niedermayr von der Baupolizei dieses Unrecht abgesegnet hatte. Obwohl diesem doch die Leuchtreklame zuallererst ins Amtsauge gestochen war.

Es folgten eine Anzeige wegen Verdacht des Amtsmi√übrauchs gegen Niedermayr, ein Gerichtsverfahren (Vorsitzender Mag. Mitterlehner) mit mehreren Zeugen, die Erkenntnis, da√ü es sich h√∂chstens um ein Versehen gehandelt hat, und ein Freispruch (Verteidiger Dr. Kr√ľckl). Der Reklame ist das Leuchten inzwischen vergangen: Sie wurde abmontiert.

O√ĖN 8. 3. 1985:

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“Bedingt” f√ľr kranken Bankr√§uber

Mit zw√∂lf Monaten bedingtem Freiheitsentzug kam Montag der wegen Raubes angeklagte, vorbestrafte, arbeitslose Kellner Wolfgang P. (26) aus Linz davon. Das Gericht war offenbar der Meinung, das Schicksal h√§tte den nach einem Autounfall zum Kr√ľppel Gewordenen genug bestraft …

Wolfgang P., der sich vorwiegend in Homosexuellenkreisen herumtrieb, hatte im Volksgarten von Wilhelm O. 300 Schilling gefordert. Wenn er nicht zahle, wollte er ihn zusammenschlagen, weil er “gerade dazu aufgelegt” w√§re!

Dem Linzer Richter Mag. H√∂rleinsberger (Staatsanwalt Dr. Scharm√ľller, Verteidiger Dr. Kr√ľckl) wollte der Angeklagte weismachen, er habe sein Opfer um das Geld “gebeten”. Au√üerdem werde er sich in Zukunft bessern, da er es auf Grund seiner Ehe mit einer Unternehmerstochter nicht mehr n√∂tig h√§tte, sich auf kriminelle Weise Geld zu beschaffen!

Kronen Zeitung 11. September 1984

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Nach Messerattentat des Vaters erlitt Elfjähriger Psychoschock

Mordversuch an Scheidungsanwalt und Ehefrau: 3 1/2 Jahre Haftstrafe

Erst vertrank der Installateur Ilija S. (38) aus Linz das Haushaltsgeld und pr√ľgelte seine Gattin. Als sie ins Frauenhaus fl√ľchtete und die Scheidung einreichte, war er angeblich so ersch√ľttert, da√ü er am 16. Februar 1984 durchdrehte. Da√ü er allerdings seine Gattin und deren Anwalt Dr. Peter Kempf erstechen wollte, will er nicht mehr wissen …

“Der Anwalt wollte die Scheidung, ich die Vers√∂hnung”, schluchzte Rosemarie S. (33) Montag vor einem Linzer Geschworenensenat – Richter Mag. Mitterlehner, Staatsanwalt Dr. Scherbantin, Verteidiger Dr. Kr√ľckl. “Er ist ein Paschatyp, der sich mit dem Wunsch seiner Frau nach Trennung √ľberhaupt nicht auseinandersetzte”, erkl√§rte der Anwalt; der Rosemarie S. (33) √ľber deren Bitte zu einer Aussprache in die eheliche Wohnung begleitet hatte.

Als Ilija S. sah, dass seine Frau nicht zur√ľckkehren wollte, ging er mit einem K√ľchenmesser auf sie und ihren Rechtsbeistand los und verletzte Dr. Kempf am Hals schwer. Sein elfj√§hriger Sohn, der Zeuge des Attentats wurde, wird seit Monaten wegen psychischer Ersch√∂pfung im Krankenhaus behandelt!

Des zweifachen Mordversuches bekannte sich Ilija S. nicht schuldig.

Obwohl er wegen Mißhandlung seiner Gattin verurteilt wurde, behauptet er, sie nie geschlagen zu haben. Auch getrunken haber er kaum. Überhaupt hätte er keine Ahnung, warum sie sich scheiden lassen wollte!

Während die Polizei den Attentäter in ganz Linz suchte, wollte dieser in seiner Wohnung mit Strom seinem Leben ein Ende setzen. Ein Kurzschluß vereitelte seinen Plan.

Das Urteil: Ilija S. erhielt 3 1/2 Jahre Haftstrafe.

VON ELFI HANNER
Kronen Zeitung 7. August 1984

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Betriebsspionage zwecks besseren Teamworks mit den Partnern
Unterlagen aus VOEST-Alpine AG und der Chemie Linz gestohlen

Nicht schuldig der “Auskundschaftung eines Gesch√§fts- oder Betriebesgeheimnisses zugunsten des Auslandes” bekennen sich der Konstrukteur Heinz P. (44) aus Steyregg, der technische Angestellte Edwin M. (30) aus Nu√übach und der technische Kaufmann Wolfgang G. (38) aus Klagenfurt. Das Urteil des Linzer Senates wird am Mittwoch erwartet.

Von Juli bis September 1982 hatten die Angeklagten in der Firma des P. “KSC Engineering”, die im Aufbaustadium war, gearbeitet. Im Rahmen ihrer T√§tigkeit wurden M. und G. an die VOEST-Alpine AG und die Chemie Linz AG verleast. Dabei soll M. laut Anklage von Staatsanwalt Dr. Scherbantin aus beiden Unternehmen betriebsinterne Unterlagen gestohlen, fotokopiert oder gepaust haben, w√§hrend seine beiden Kollegen Kontakte mit Oststaaten gesucht haben sollen, um das “Spionagematerial” zu verwerten …

“Stimmt”, sagte M. gestern vor dem Linzer Richter Mag. H√∂rleinsberger: Schlie√ülich fand man die Unterlagen ja in seinem Schreibtisch! Den Auftrag zum Sammeln habe er aber von P. erhalten. Da√ü P. und G. (Verteidiger Dr. Kr√ľckl) inzwischen emsig Vorstellungsschreiben an Firmen in Oststaaten verschickten, davon will M. nichts gewu√üt haben.

P. und G. weisen jede b√∂se Absicht beziehungsweise jedes Wissen um die “Sammelwut” des M. von sich …

Die VOEST-Alpine und die Chemie Linz, die nach Auffliegen der Aff√§re durch einen entlassenen Mitarbeiter aus der Firma des P. von einem Schaden von zwanzig beziehungsweise f√ľnf Millionen Schilling sprachen, haben ihre diesbez√ľglichen Anspr√ľche zur√ľckgezogen!

VON ELFI HANNER
Kronen Zeitung 17. April 1984

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Gericht wies Klage gegen Krankenhaus ab
Nach Therapie ein Pflegefall

Nachdem eine Patientin nach einer Isotopen-Therapie als k√∂rperliches Wrack aus dem Linzer Wagner-Jauregg-Krankenhaus entlassen worden war, klagte sie die Anstalt wegen des vermuteten √§rztlichen Kunstfehlers. Der Linzer Zivilrichter Hofrat Dr. Reindl wies jedoch die Klage √ľber Antrag des Beklagtenvertreters Dr. Kr√ľckl zur√ľck.

Die Raumpflegerin Veronika M. aus Steyr war am 2. August 1978 bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt worden. Da der Verdacht bestand, da√ü als Unfallsfolge durch einen Ri√ü in der Sch√§delbasis Hirn- und R√ľckenmarksfl√ľssigkeit austritt, wurde das Unfallopfer in die neurochirurgische Abteilung des Wagner-Jauregg-Krankenhauses gebracht, wo eine Lumbalpunktion vorgenommen wurde. Dabei werden Isotopen in die R√ľckenmarkfl√ľssigkeit eingespritzt.

Bei Veronika M. traten schwere toxische Sch√§digungen in der Form auf, da√ü ihr Unterleib gef√ľhllos wurde!

Die Patientin vertrat nun die Meinung, einem √§rztlichen Kunstfehler zum Opfer gefallen zu sein. Sie bem√§ngelte vor allem, da√ü man sie von seiten des Krankenhauses vor dem schwerwiegenden Eingriff nicht √ľber die m√∂glichen Folgen aufgekl√§rt hatte.

Wie sich im Gerichtsverfahren herausstellte, liegt die Sch√§digungsrate bei der angewandten Therapie bei vier Promille. Deshalb vertrat Richter Hofrat Dr. Reindl die Meinung, da√ü eine Aufkl√§rung der Patientin nicht erforderlich war. Er folgte dem Antrag des Landes Ober√∂sterreich – und wies die Klage der Patientin zur√ľck.

Veronika M. mu√ü nun ihre Schmerzensgeld- und Schadenersatzanspr√ľche dem schuldtragenden Autolenker gegen√ľber geltend machen.

VON ELFI HANNER
Kronen Zeitung 12. Februar 1984

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Linz: Drei arbeitslose Briten importierten Hasch aus Holland
5 Jahre Haft f√ľr Dealer!

Drei arbeitslose Briten hatten sich am Linzer Rauschgiftmarkt schon so gut etabliert, da√ü sie bereits im Mietwagen zum “Einkauf” nach Amsterdam fuhren. Nachdem sie gestern in Linz zu insgesamt f√ľnf Jahren Haft verurteilt wurden, fahren sie nun “per Schub” in ihre Heimat zur√ľck; sie wurden gleich nach dem Proze√ü der Fremdenpolizei √ľberstellt.

Der Elektriker George A. (22) aus Glasgow hatte in Amsterdam seinen Landsmann Ronald N. (21) getroffen und den S√ľchtigen Rudolf G. aus Perg kennengelernt, den er im Juni 1983 besuchte. Dadurch kam George A. in S√ľchtigenkreise und auf die Idee, das in Amsterdam preiswerte Suchtgift bei uns gewinnbringend zu verkaufen. Er telefonierte mit Ronald N., der einen bisher nicht ausgeforschten Mann namens Scott auftrieb, welcher die Lieferung nach √Ėsterreich schmuggelte. George A. verkaufte das Suchtgift, den Erl√∂s √ľberwies er telefrafisch nach Holland, wo Ronald N. wieder einkaufte.

Als der arbeitslose Fischverk√§ufer Paul S. (24) aus Nottingham George A. aufsuchte, um ihn anzuschnorren, lie√ü ihn dieser gleich ins Gesch√§ft einsteigen. Mit dem Motorrad brachte S. nun die “hei√üe Ware” √ľber die Grenze. Bis die drei soviel verdient hatten, da√ü sie im Mietwagen reisten …

Vor einem Linzer Senat unter Vorsitz von Richter Dr. Neumann (Staatsanwalt Dr. Sittenthaler, Verteidigr: Dr. Moringer, Dr. Pramer, Dr. Kr√ľckl) bekannten sich die drei Angeklagten gestern schuldig.

George A. wurde zu zwei, seine beiden Komplicen zu je eineinhalb Jahren bedingter Haft verurteilt. Außerdem wurden Wertersatzstrafen in Höhe von 268.000 Schilling verhängt.

VON ELFI HANNER
Kronen Zeitung 1984

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